Armut in Tirol
Rund 102.000 Menschen in Tirol gelten als arm oder armutsgefährdet. Sie verfügen über ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle von etwa 18.500 Euro pro Jahr. Besonders betroffen sind weiterhin Alleinerziehende und Mindestpensionist*innen. Auch Menschen, die nicht in Österreich geboren wurden, sind deutlich häufiger von Armut betroffen.
Die Caritas-Sozialberatung ist eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in finanziell belastenden Lebenssituationen. Sie erhalten dort umfassende Beratung, Unterstützung beim Stellen von Anträgen sowie – in akuten Notlagen – finanzielle Soforthilfe oder Sachspenden. Ein konkretes Beispiel ist die jährliche Ausgabe von gebrauchten und gereinigten Schultaschen zu Schulbeginn. Damit werden Familien entlastet, für die gerade diese Zeit mit besonders hohen Ausgaben verbunden ist.
Für einkommensschwache Familien bietet die Caritas zudem Lerncafés und Lernhilfe an. Kinder erhalten dort Unterstützung beim Lernen und bei den Hausaufgaben sowie Begleitung in der Freizeit. Aktuell gibt es diese Angebote in Reutte, Landeck, Imst und Innsbruck.
Auch die Wärmestuben richten sich an Menschen ohne oder mit sehr geringem Einkommen. Sie bieten nicht nur warme Mahlzeiten und die Möglichkeit zu duschen, sondern auch Beratung, soziale Kontakte und menschliche Zuwendung. Für viele sind sie ein wichtiger Ort der Begegnung und Teilhabe.
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2.040 Menschen haben eine Beratung in Anspruch genommen, davon wurden 700 Personen erstmals in der Sozialberatung erfasst.
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165 Altgeräte wurden in Haushalten getauscht, um die Energiekosten zu senken.
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897 Menschen ohne Obdach traten in Kontakt mit den Mitarbeiter*innen des Bahnhofsozialdienstes.
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49.709 Mahlzeiten wurden in unseren Wärmestuben an bedürftige Menschen ausgegeben.
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1.000 Beratungen fanden im Rahmen des Projekts medcar(e) mit Menschen ohne Krankenversicherung statt.
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9 Personen mit Fluchterfahrung konnten durch die Vermittlung von Privatunterbringungen wohnversorgt werden.
Ein Gespräch, ein Lächeln, ein paar aufmunternde Worte. Kein großes Programm – einfach ehrliche Menschlichkeit.
Wenn das Leben teurer wird – und Menschlichkeit unbezahlbar bleibt
Die Preise steigen, die Sorgen auch. Für viele Menschen in Tirol ist der Alltag längst zu einem Balanceakt geworden: Reicht das Geld bis zum Monatsende? Bleibt noch etwas übrig für ein Stück Lebensqualität? Immer mehr Menschen finden eine Antwort im Tiroler Sozialmarkt, der zur Hälfte von der Caritas Tirol und zur anderen Hälfte von der Stadt Innsbruck getragen wird – kurz Tiso. Hier dürfen jene einkaufen, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Was einst eine Randlösung war, ist heute für Tausende zur Notwendigkeit geworden.
4.000 Berechtigte zählt der Sozialmarkt inzwischen – Tendenz steigend. Die anhaltende Teuerung trifft vor allem ältere Menschen hart. Wer Jahrzehnte gearbeitet hat, steht plötzlich vor der Frage: Heizung oder Lebensmittel? „Wir sehen täglich, wie groß die Not ist“, sagt Felix Staats, Geschäftsführer des Tiso. „Und wir sehen auch, wie viel ein freundliches Wort bewirken kann.“
Eine Begegnung hat sich besonders eingeprägt. Frau M., über 94 Jahre alt, gehört zu den treuen Kundinnen des Sozialmarktes. Vor einigen Monaten erlitt sie einen Schlaganfall. Tage im Krankenhaus, danach ein Leben, das nicht mehr so war wie zuvor: eingeschränkte Mobilität, geschwächter Lebensmut, kaum Freude am Alltag. Als sie zum ersten Mal nach ihrer Entlassung wieder den Tiso betrat, war sie still, kraftlos, gezeichnet von der schwierigen Zeit.
„Wir haben uns bewusst Zeit genommen“, erzählt Staats. „Ein Gespräch, ein Lächeln, ein paar aufmunternde Worte. Kein großes Programm – einfach ehrliche Menschlichkeit.“ Mit jedem Besuch blühte Frau M. ein Stück mehr auf. Heute kommt sie wieder regelmäßig vorbei – strahlend, herzlich, voller Energie. Und jedes Mal sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln: „Ich komme wieder mal vorbei, um mir eine Prise gute, positive Laune abzuholen!“
Für das Team des Sozialmarktes sind solche Momente unbezahlbar. Sie zeigen, dass der tiso weit mehr ist als ein Ort zum günstigen Einkaufen. Er ist ein Ort der Begegnung, des Miteinanders, der Hoffnung. „Unsere Kundin nennt ihre Besuche ihr Highlight des Tages“, sagt Staats. „Und für uns ist sie ein lebendiges Beispiel dafür, wie viel Kraft ein ehrliches Lächeln, ein freundliches Wort und ein bisschen Zeit bewirken können.“